Quellen und Schriften zur Bevölkerungsgeschichte der Mark Brandenburg


Band 6: Georg Grüneberg


Die Prignitz und ihre städtische Bevölkerung im
17. Jahrhundert

Havelberg
Musterung 1610, Liquidationen 1635, Feuerstellen 1654

Kyritz
Musterung 1610, Liquidation 1635,  Feuerstellen 1654

Lenzen
Musterung 1610, Kontribution 1629,  Liquidation 1635,  Feuerstellen 1654
Bürgerbuch 1659 – 1686

Perleberg
Musterungen 1610 und 1623,  Liquidation 1635,  Feuerstellen 1648
Bürgerbuch 1623 – 1750

Pritzwalk
Musterung 1610, Liquidation 1635, Bürgerschaft 1640, Feuerstellen 1654

Wittstock
Musterungen 1610 und 1623 Kirchenbuchauswertung 1630 – 1654


Aus dem Vorwort:

Zu den wichtigsten bevölkerungsgeschichtlichen Quellen der Mark Brandenburg gehören die Landesvisitationsprotokolle von 1652. Sie sind für einige Landesteile überliefert. (Siehe: Weiterführende Literatur, S. 17 ff).
Für die Prignitz sind sie bearbeitet von Johannes Schultze in: "Die Prignitz und ihre Bevölkerung nach dem dreißigjährigen Kriege", Perleberg 1928. Der Landreiter Samuel Rose hat im April und Mai 1652 rund 250 Ortschaften zwecks Feststellung der dort wohnenden Bevölkerung aufgesucht. Die Immediatstädte blieben ausgenommen. Sie sollten die Angaben selbst einreichen, kamen aber dem Befehl nicht nach. So fehlen in dieser wichtigen Quelle die Städte Havelberg, Kyritz, Lenzen, Perleberg, Pritzwalk und Wittstock. Es ist das Ziel der vorliegenden Publikation, diesen Mangel zu beheben. Genutzt wurden dazu für die Städte Havelberg, Kyritz, Lenzen und Pritzwalk die im Brandenburgischen Landeshauptarchiv Potsdam unter der Repositur 23 A befindlichen "Revisionsprotokolle über den von den Städten aufzubringenden Vor- und Pfundschoß aufgrund der alten Schoßtaxen". Sie enthalten Verzeichnisse der Feuerstellen mit den Namen der Besitzer und der Schoßsummen von 1654, wobei letztere aus Platzgründen hier nicht mit aufgenommen wurden. Wittstock ist der einzige Ort, für den eine Bevölkerungsübersicht aus der Zeit nach dem Kriege nicht ermittelt werden konnte.
Für Perleberg wurde aus dem dortigen Stadtarchiv eine Revision der Stadt vom 2. April 1648 benutzt. Beide Quellen nennen auch die Vorbesitzer der Häuser, indem es heißt: "Hanß Ebell ietzo Jürgen Seidenschnur" bzw. "Anthonius Gerwieges Rl. oder Jochim Ludewiech".

Einen eindrucksvollen Vergleich mit der Vorkriegszeit bieten die hier vorangestellten Musterungen der Städte aus dem Jahre 1610, gefolgt von den bezüglich der Prignitz leider nur für Perleberg und Wittstock überlieferten Musterungen von 1623. Der 1558 begründeten Kurmärkischen Lehnskanzlei oblagen u.a. militärische Angelegenheiten, zu denen auch die Führung von Musterrollen gehörte. Als 1610 wegen der Thronfolge in den Herzogtümern Jülich und Cleve ein Krieg drohte, galt es, die Verteidigungs-fähigkeit der Bürger in den landesherrlichen Städten festzustellen. Jeder Bürger hatte sich wehrfähig zu halten und seine Bewaffnung zu stellen (Musketen, lange Röhre, Pieken, Hellebarden, Spieße, Schlachtschwerte oder Sensen). Entsprechend wurden die Musterungslisten geführt. Als 1623 der schon seit Jahren in Süddeutschland wütende Krieg sich auch nach Norddeutschland zu verpflanzen drohte, fand wieder eine Musterung statt. Diese vermerkt auch, ob der Hausbesitzer "selbst" antritt, bzw. bei Witwen und alten Leuten wen er statt seiner Person schickt. Denn die Perlebergische Städteordnung von 1639 besagt u.a.: "Eine jede Witbe (Witwe), so ein Aufbott oder sonsten ein Gerüchte würde, soll einen tüchtigen Mann mit gutem Gewehr (und) dem Harnische vor (für) sich im Felde haben".

Aus dem ehemaligen Stadtarchiv Lenzen, heute als Depositum im BLHA Potsdam, sind aus dem Bestand Rep. 28 A, Militaria, verschiedene Kontributionslisten aus dem Jahre 1629 überliefert. Durch Mäusefraß zwar stark beschädigt, konnte die Liste vom 1.4.1629 vollständig rekonstruiert und in diese Publikation mit aufgenommen werden.

Liquidationen, also Kostenabrechnungen für Einquartierungen, sind aus dem Jahre 1635 für Havelberg, Kyritz, Lenzen, Perleberg und Pritzwalk erhalten. Sie verzeichnen meistens die Namen der Quartiergeber und Quartiernehmer, die Kosten für "speisungk und Futter" und "was einer und der Ander seinem Wirthe bei dem Auffbruch schuldigk geblieben". Neben Essen und Trinken, Hafer, Malz und Bier, werden auch erpreßtes Geld, Schuhreparaturen, zerschlagene Möbel und Fenster, Lichte, die "40 auf einmal angebrandt" und "Arztlohn den Balbierer vor den verwundeten Finger" und vieles andere aufgeführt. Erfaßt wurden, entsprechend dem Titel dieses Buches, nur die Namen der Quartiergeber bzw. Leistungserbringer, also nicht der Einquartierten. Die Schrecken des Krieges aus dem Pestjahr 1638 verdeutlicht eine Klageschrift (Gravamina) aus Lenzen, die hier auszugsweise abgedruckt wird.

Die Revision von Pritzwalk aus dem Jahre 1640, der Zeit des Bevölkerungstiefststandes in der Prignitz (1639-1641), bereichert diese Bevölkerungsübersicht der Prignitzer Städte im 17. Jahrhundert ebenso wie die bisher nicht publizierten Bürgerbücher von Perleberg und Lenzen.

Die Perleberger Bürgerbücher 1623-1853 verzeichnen für die Jahre 1623 und 1624 nur je eine Eintragung und setzen erst 1637 lückenlos ein. Sie wurden in dem vorliegenden Buch bis zum Jahre 1750 nach Buchstaben geordnet chronologisch erfaßt. Sie sind familienkundlich besonders wertvoll, weil sie neben dem Geburts- oder Herkunftsort, dem Beruf und den Angaben zum Vater des Neubürgers oft auch sein Sterbedatum mit Altersangabe sowie Informationen, wie z.B. wann und wohin verzogen, enthalten. Dies ist um so bedeutender, als das Perleberger Sterberegister für die Jahre 1654-1718 heute nicht mehr vorhanden ist.

Das Fragment des Lenzener Bürgerbuches 1659-1686 befindet sich im Pfarrarchiv Lenzen und ist vermutlich nach dem Stadtbrand von 1703 dort hingelangt.

Da sich für Wittstock keine Quellen aus den Jahren 1635 und 1654 fanden, wurde das Kirchenbuch der Jahrgänge 1630 bis 1654 bezüglich der Wittstocker Familien vollständig ausgewertet und hier mit aufgenommen.

Die Veröffentlichung dieser familiengeschichtlich bedeutsamen Quellen zur Bevölkerung der Prignitzer Städte im 17. Jahrhundert schließt eine Lücke in der Literatur und wird hoffentlich Historikern und Familienforschern gleichermaßen willkommen sein.             


              

392 Seiten, Festeinband
Preis: 38,00 EUR, ISBN 978-3-9803515-4-6  Lenzen (Elbe) 1999 e-mail:


updatet/aktualisiert 7/5/2011

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